Vergleich der neuen und alten Version des De-Le-Systems

Als ich das De-Le-System im Februar 2019 erstmals auf dieser Web-Präsenz und auf queer.de veröffentlicht habe, hat es sich noch in einigen Details von dem jetzt hier beschriebenem De-Le-System unterschieden. Auf dieser Seite will ich diese Unterschiede beschreiben und erklären, wieso ich diese Änderungen vorgenommen habe.

Der größte Unterschied zwischen der alten und der neuen Version des De-Le-Systems ist, dass in der alten Version die Endung -e statt der Endung -ir für Substantive verwendet wurde. Diese hat allerdings Endungen wie -er und -or nicht ersetzt, sondern wurde an diese hinten rangehängt: Anstatt de Lehrir hieß es also de Lehrere, anstatt de Professir hieß es de Professore und anstatt de Freundir hieß es de Freunde.

Ein Nachteil dieser Endung -e war, dass sie bei Substantiven, deren maskuline Form schon auf -e endet, nicht gut funktioniert hat, z.B. bei Substantiven wie Kunde und Russe. Bei solchen Substantiven wurde daher stattdessen die Endung -je verwendet, also z.B. de Kundje anstatt de Kundir.

Die Tatsache, dass diese Ausnahmeregelung mit der Endung -je notwendig war und dass die mit -je geformten Wörter etwas komisch klangen, war einer der Gründe dafür, dass ich mir Gedanken über mögliche Alternativen gemacht habe. Ein weitere Grund war, dass der Plural von geschlechtsneutralen Substantiven wie de Studente und de Feministe genauso lautete wie der Plural der maskulinen Form: die Studenten, die Feministen. Da das De-Le-System aber auch als Alternative zum generischen Maskulinum dienen soll, schien dieses Detail eher kontraproduktiv.

Außerdem waren im alten De-Le-System die Utrum-Form von substantivierten Adjektiven häufig nicht von der maskulinen oder femininen Form unterscheidbar:

  • Meine Verlobte heißt Kim. (Im Nominativ waren substantivierte Adjektive im alten De-Le-System mit der femininen Form identisch.)
  • Kennst Du schon meinen Verlobten Kim? (Im Akkusativ hingegen waren sie mit der maskulinen Form identisch.)

Dasselbe Problem trat auch bei Pronomen wie jede und keine auf:

  • Bei uns ist jede willkommen! (Klingt als ob entweder ein generisches Femininum benutzt wird oder nur Frauen gemeint sind, obwohl jede nach dem alten De-Le-System als geschlechtsneutrale Form dienen sollte.)

Im neuen De-Le-System werden alle diese Probleme behoben: Bei allen Substantiven, deren feminine Form auf -in endet, wird die Endung -ir für die neue geschlechtsneutrale Form verwendet: de Lehrir, de Professir, de Freundir, de Kundir, de Studentir, de Feministir usw. Die Pluralformen sind dann auch in allen Fällen klar von den maskulinen und femininen Pluralformen unterscheidbar, z.B. die Lehriren, die Studentiren, die Feministiren. Und auch substantivierte Adjektive und Pronomen wie jedir und keinir haben jetzt eine eindeutig unterscheidbare Utrum-Form:

  • Meine Verlobtir heißt Kim.
  • Kennst Du schon meinen Verlobtir Kim?
  • Bei uns ist jedir willkommen!

In der alten Version des De-Le-Systems wurde die Endung -e auch bei Substantiven verwendet, die durch Verschmelzung von einer weiblichen und einer männlichen Form gebildet wurden, z.B. bei Sochte, das durch Verschmelzung von Sohn und Tochter gebildet wurde. Ich habe mich jetzt entschieden, bei diesen durch Verschmelzung gebildeten Wörtern davon abzusehen, die Endung -ir zu benutzen, und benutze stattdessen die Endung, die sich bei der Verschmelzung der beiden existierenden Wörter am ehesten anbietet: de Sochter (von Tochter/Sohn), de Niffe (von Nichte/Neffe) und de Tonke (von Tante/Onkel). Die Formen Niffe und Tonke bleiben daher genauso wie im alten De-Le-System.

Mehr Details dazu, wie das neue De-Le-System funktioniert und wieso ich die Endungen so gewählt habe, wie ich sie gewählt habe, finden sich auf den folgenden Seiten: